Klimaschutz-Wirkung von geplanter Wiedervernässung auf Kloster-Moorgrünland wissenschaftlich analysiert: Naturschutzzentrum ZUK e.V. im Don Bosco Kloster Benediktbeuern
Im Sinne des Klimaschutzes plant das Naturschutzzentrum ZUK e.V. im Don Bosco Kloster Benediktbeuern, ab Anfang 2027 Teile drainierter Moorgrünlandflächen des Klosterlandes wieder zu vernässen und anschließend extensiv zu beweiden. Damit lässt sich die Freisetzung von klimarelevanten Treibhausgasen, insbesondere von Kohlendioxid (CO2), vermindern. Gleichzeitig soll wissenschaftlich untersucht werden, wie sich diese Renaturierung von Moorgrünland auf die Freisetzung von Treibhausgasen langfristig auswirkt. Bereits seit Anfang 2026 misst dazu ein spezieller Hightec-Messturm kontinuierlich, welche Mengen an CO2 und Methan (CH4) pro Zeit über diesen Klosterlandflächen vor und nach der Wiedervernässung aufgenommen oder freigesetzt werden. Wissenschaftlich leitet diese Untersuchung die Klimaforschungseinrichtung Campus Alpin des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in Garmisch-Partenkirchen. Sie arbeitet zusammen mit dem Peatland Science Centre (PSC) der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.
KIT- Abteilungsleiter Dr. Ralf Kiese betont dabei: „Erst kontinuierliche und langfristige Messungen werden sichtbar machen, wie sich die Treibhausgasbilanz eines Moores durch die Wiedervernässung verändert – und ermöglichen es, aus dieser Dynamik für die Praxis zu lernen.“ Denn Zusammensetzung und Umfang der Treibhausgasflüsse hängen stark von den wechselnden aktuellen Umweltbedingungen ab wie Wasserstand, Sonnenstrahlung, Boden- und Lufttemperatur.
Der Messturm nutzt die sogenannte „Eddy-Kovarianz-Methode (EC)“. Dieses Messsystem besteht aus einem Ultraschall-Anemometer (Windmesser), das die räumliche-Windgeschwindigkeit misst und damit auf- und absteigende turbulente Luftwirbel (Englisch: Eddy). Diese transportieren Energie und Treibhausgase. Ebenfalls gehören zwei Infrarot-Gasanalysatoren dazu, die jeweilige Treibhausgas-Konzentrationen von CO2, CH4 und Wasserdampf ermitteln. Die Messungen erfassen 20-mal pro Sekunde kleinste Schwankungen der auf- und abwärts gerichteten Luftbewegungen und der Treibhausgas-Konzentrationen. Aus dem zeitgleichen Zusammenspiel dieser Schwankungen lässt sich berechnen, wie viel Treibhausgas zwischen der Landoberfläche und der Atmosphäre ausgetauscht wird und ob die untersuchte Fläche netto Treibhausgase aufnimmt oder an die Atmosphäre abgibt. Zusätzlich ist der Messmast ausgestattet mit einem Netto-Radiometer, das die gesamte Lichtstrahlung (UV bis Infrarot) erfasst. Auch ein kombinierter Wettersensor ist angebracht, der Lufttemperatur, Luftdruck, relative Luftfeuchtigkeit und Niederschlagsmenge analysiert.
Der Campus Alpin übernimmt die nötigen Wartungsarbeiten, überwacht das Funktionieren des Messturms, speichert, verarbeitet und wertet die Daten aus. Darüber hinaus analysieren Mitarbeitende an einzelnen Punkten regelmäßig auch mit hochmodernen Lasermessgeräten die Treibhausgasflüsse für CO2, CH4 und das ebenfalls klimarelevante Lachgas (N2O). Mindestens bis Anfang 2028 sollen die Messungen fortgeführt werden, um ein vollständiges Jahr nach der Wiedervernässung zu erfassen.
Wie sehen erste Messergebnisse auf Klosterland aus? Die CO2-Flüsse schwanken im Laufe des Tages, vor allem in den wärmeren Monaten. Die aktuell noch drainierte Moorfläche nimmt bei genügend Licht tagsüber kurzzeitig CO2 durch Pflanzen (Photosynthese) auf, gibt aber bei wenig Licht dieses Treibhausgas wieder ab aufgrund der Atmung von Pflanzen und Mikroorganismen. Die trocken-warmen Sommermonate begünstigten höhere CO2-Freisetzungen aus dem Boden. Jedoch sind belastbare Aussagen über die Treibhausgasbilanz der Moorfläche erst nach Messungen von mindestens einem Jahr möglich.
Wer das Projekt fördert: Der Campus Alpin finanziert die Untersuchungen, Messinstrumente und das nötige Personal aus eigenen Projektmitteln der Helmholtz-Gemeinschaft. Die Kosten für die Wiedervernässung der Moorfläche werden Rahmen des Bayerischen Moorschutzprogramms aus Mitteln des Bayerischen Umweltministeriums getragen.
Weitere ähnliche Messtürme für CO2- und CH4-Messungen werden beispielsweise im sogenannten Schechenfilz zwischen Iffeldorf und Seeshaupt sowie in der Nähe von Mooseurach durch das PSC betrieben. Beide sind Teil der europäischen Forschungsinfrastruktur ICOS (Integrated Carbon Observation System).
Don Bosco Kloster Benediktbeuern
Das Don Bosco Kloster Benediktbeuern hat seine Heimat im über 1.200-jährigen ehemaligen Benediktinerkloster Benediktbeuern. Seit 1930 leben und wirken hier die Salesianer Don Boscos, eine katholische Ordensgemeinschaft, die sich weltweit im Sinne ihres Gründers Johannes Bosco (1815-1888) für junge Menschen einsetzt. Dieses geistliche Zentrum verbindet in einzigartiger Weise Tradition und Innovation, Pastoral und Nachhaltigkeit sowie Kultur und Naturschutz.
Dazu gehören Bildungszentrum und Gäste- & Tagungszentrum des Don Bosco Kloster Benediktbeuern, das Naturschutzzentrum ZUK e.V., die Institute für Jugendpastoral (JPI) und Salesianische Spiritualität (ISS). Ebenso sind hier der Don Bosco Club sowie – in Trägerschaft der Kirchlichen Stiftung des öffentlichen Rechts „Katholische Bildungsstätten für Sozialberufe in Bayern“ – die Katholische Stiftungshochschule (KSH) München, Campus Benediktbeuern.
Im restaurierten Maierhof des Don Bosco Kloster Benediktbeuern gibt es darüber hinaus auch das
Zentrum für Trachtengewand und das Zentrum Gebirgsschützen Bayern.
Seit der modularen Fusion mit dem ZUK am 1. Januar 2026 füllt das Don Bosco Kloster Benediktbeuern den gemeinsamen Leitspruch „Jugend, Schöpfung, Bildung – heute für morgen“ mit noch vielfältigerem Leben.
Heute leben und arbeiten 30 Mitbrüder der Salesianer Don Boscos aus sieben Nationen im Don Bosco Kloster Benediktbeuern. Sie sind hier gemeinsam mit rund 150 Angestellten sowie zahlreichen ehrenamtlich Mitarbeitenden in unterschiedlichen Berufen und Aufgaben tätig oder verbringen hier ihren Lebensabend. Direktor der Mitbrüdergemeinschaft der Salesianer Don Boscos im Kloster ist seit 2023 P. Heinz Menz SDB; als Einrichtungsleiter wirken Franz Wasensteiner und Benedikt Hartmann. Weitere Informationen unter: www.kloster-benediktbeuern.de.
Weitere Informationen zu den Salesianern Don Boscos: www.donbosco.de
Verfasser: Martin Blösl, Öffentlichkeitsarbeit Don Bosco Kloster Benediktbeuern
