„Mut, der bleibt“ – Im Gedenken an ein beherztes, hoffnungsvolles Lebenszeugnis von Salesianerpater Rudolf Lunkenbein anlässlich seines 50. Todestages
„Mut, der bleibt“ war eine Gedenkveranstaltung anlässlich des 50. Todestages von Salesianerpater Rudolf Lunkenbein (1939 – 1976) betitelt, zu der die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos am Samstag, 27. Juni, in den Barocksaal des Don Bosco Klosters Benediktbeuern eingeladen hatte. Über 120 Teilnehmende kamen, viele auch von der Don Bosco Familie. Unter ihnen 11 Zeitzeugen, die Pater Lunkenbein noch persönlich kannten.
Der im oberfränkischen Döringstadt bei Bamberg geborene Rudolf Lunkenbein hatte ab 1965 in der damaligen Philosophisch-Theologischen Hochschule der Salesianer Don Boscos im Kloster Benediktbeuern studiert und erhielt 1969 in der Basilika Benediktbeuern die Priesterweihe. Als Missionar setzte sich Pater Rudolf Lunkenbein im brasilianischen Amazonasgebiet gemeinsam mit dem befreundeten Indigenen Simao für die Rechte des Bororo-Volkes ein. Sie kämpften für den Erhalt von Land und Kultur – und gegen Ausgrenzung sowie die Zerstörung von wichtigen Lebensgrundlagen. Ihr Einsatz führte dazu, dass beide am 15. Juli 1976 durch weiße Siedler ermordet wurden. Das gemeinsame Zeugnis von beiden steht bis heute für den Mut, sich gegen Ungerechtigkeit zu stellen – und für eine Hoffnung, die stärker ist als Angst.
Aus dieser Haltung entwickelte Bruder Jean Paul Muller SDB, salesianischer Missionsprokurator und ehemaliger Generalökonomen, in seinem Vortrag „Mit einer Mission/Vision unterwegs in die Zukunft“ einige Impulse für heute. Unterwegs mit einer Vision zu sein bedeute ein „Leben voller Lebendigkeit, Begegnungen und wahnsinnig vieler Möglichkeiten“. Aufbauend auf dem Leben und der Botschaft von Christus als Evangelium sieht Muller Bildung als ein Fundament der Evangelisierung. Mit Kreativität baue sie Brücken, um auf Bedürfnisse der Menschen zu antworten. Sehnsucht nach Gott bleibe ein grundlegendes Bedürfnis im menschlichen Herzen. Menschen seien für die Neuheit des Evangeliums offen, wenn dieses in eine aktuelle Sprache und Tun übersetzt wird, die ihre Herzen erreichen kann. Für salesianische Missionare in der Welt sieht er neben menschlicher Reife als Voraussetzungen auch eine geistlich und beruflich fundierte Ausbildung, um mit und für junge Menschen zu leben, Botschafter einer Zukunft mit besseren Chancen zu sein. Salesianer seien Missionare der Zuneigung Gottes zum Menschen. Und da sie sich auf viel Neues einzulassen haben, zitierte Mueller auch Papst Franziskus: „Die Armen, mit denen sie ihr Leben teilen, sind die besten Lehrer des Evangeliums.“ Dabei die Hoffnung auf den uns stets begleitenden Christus neu entdecken lassen. Das Evangelium lehre, das Unsichtbare im Sichtbaren zu erkennen, das Geheimnis Gottes in den unscheinbaren Gesten des Lebens. „Je offener man auf andere zugeht, umso mehr wird man bereichert“ so eine Weisheit der Missionare. Und der jetzige Papst Leo betone: „Wenn die christliche Nächstenliebe konkret gelebt wird, dann wirkt sie befreiend.“ Partizipation sieht Muller als wesentlichen Motor für neue Ideen der Mission und es gehe darum, uns für eine Weltkirche einsetzen, in der jeder willkommen ist, wo es Raum und Zeiten des Zuhörens, des Austausches und des echten Dialogs gibt. Wichtig sei, dass wir nicht allein unterwegs sind. Einheit sei unsere prophetische Stärke – in einer gut koordinierten Vielfalt von Charismen. Es sei unsere Chance, wenn wir wie Pater Lunkenbein Mut haben und „dort anpacken, wo wir eine Möglichkeit haben, diese Welt etwas besser zu machen oder sie vor noch mehr Schaden zu bewahren.“ Glauben an Christus sieht Muller als Quelle der Resilienz, einen Glauben, der eine individuelle Orientierung und einen Halt in der Welt schafft. Und er schloss mit einem Zitat des Geigenbauers und geistlichen Autors Martin Schleske: „Ich werde nicht aufhören, mit Gottes Möglichkeiten in der Welt zu rechnen.“
In der anschließend von Sebastian Bugl (Leiter Abteilung Weltkirche) moderierten Podiumsdiskussion mit der Missions-Dominikanerin Sr. Herta Haug (Schlehdorf), der Missions-Benediktinerin Sr. Ruth Schönenberger (Tutzing) und Bildungszentrums-Leiter Niklas Gregull (Kloster Benediktbeuern) wurde auch deutlich, wie politisch praktische Missionsarbeit oft ist (manchmal gegen den Widerstand zuständiger Bischöfe) und die Arbeit von MissionarInnen ebenso im eigenen Ursprungs-Land dazu beitragen soll, dass Menschen in Ländern bisheriger Mission besser leben können.
Klosterdirektor Pater Heinz Menz SDB segnete im Klosterinnenhof neben der Klosterpforte eine neue Gedenktafel, die an das mutige und überzeugende Wirken von P. Rudolf Lunkenbein erinnert, und feierte anschließend mit den Gästen in der Klosterkapelle eine Vesper in Erinnerung an den Einsatz überzeugter Christen. Mit Austausch bei geselligem Zusammensein und Imbiss klang die Gedenkveranstaltung aus.
Bilder: l.n.r.
P1320379 (Vortrag Missionsprokurator Jean Paul Muller SDB): Missionsprokurator Jean Paul Muller SDB griff in seinem Vortrag auch Inhalte der neuen Enzyklika von Papst Leo auf.
P1320453 (P. Heinz Menz SDB segnet Gedenktafel von P. Rudolf Lunkenbein SDB): Klosterdirektor Pater Heinz Menz SDB segnete im Rahmen einer kleinen Andacht die neue Gedenktafel an Pater Rudolf Lunkenbein SDB.
P1320413 (Klosterdirektor P. Heinz Menz SDB): Klosterdirektor Pater Heinz Menz SDB leitete über zur Podiumsdiskussion.
P1320429 (Diskussionsrunde Niklas Gregull, Sr. Ruth Schönenberger OSB, Sebastian Bugl, Sr. Herta Haug op): Von Sebastian Bugl (2.v.r.) moderierte Diskussionsrunde mit (v.l.) Niklas Gregull, Sr. Ruth Schönenberger OSB und Sr. Herta Haug op.
P1320390 (Vortrag Missionsprokurator Jean Paul Mueller SDB): Über 120 Gäste waren zu der Gedenkveranstaltung in den Barocksaal gekommen.
P1320440 (Gedenktafeln P. Hartz SDB, P. Lunkenbein SDB): An der Fassade neben der Klosterpforte ist nun unterhalb der bereits vorhandenen Erinnerung an Pater Theodor Hartz SDB die neue Gedenktafel an Pater Rudolf Lunkenbein SDB montiert.
Verfasser: Martin Blösl, Öffentlichkeitsarbeit Don Bosco Kloster Benediktbeuern
