Geschichte
Don Bosco Kloster Benediktbeuern – 1.250 Jahre Geschichte erleben
Das Kloster Benediktbeuern blickt auf rund 1.250 Jahre wechselvolle Geschichte zurück. Seine Anfänge reichen ins 8. Jahrhundert, auch wenn die Gründung im Dunkel der Geschichte liegt. Eine zeitgenössische Gründungsurkunde fehlt, und spätere Überlieferungen aus dem 11. Jahrhundert zeichnen ein teils legendenhaftes Bild. Nach heutiger Forschung ist davon auszugehen, dass das klösterliche Leben in Benediktbeuern in den 760er-Jahren begann. Bereits früh entwickelte sich das Kloster zu einem bedeutenden geistigen Zentrum: Ein leistungsfähiges Skriptorium machte Benediktbeuern im späten 8. und frühen 9. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Orte der Buchkultur in Südbayern.
Nach der Zerstörung durch die Ungarneinfälle im Jahr 955 wurde das Kloster 1031 von Benediktinermönchen aus Tegernsee neu belebt. In den folgenden Jahrhunderten erlebte es Phasen des Aufschwungs, wovon unter anderem ein romanischer Schmuckfußboden aus dem 12. Jahrhundert zeugt. Nach einem verheerenden Brand 1490 und den Wirren des Dreißigjährigen Krieges kam es erneut zu einer kulturellen Blüte: Das Kloster wurde zu einem bedeutenden Ort von Bildung, Wissenschaft und Theologie. Gelehrte wie P. Karl Meichelbeck oder P. Ägidius Jais prägten seinen Ruf weit über Bayern hinaus.
Ab 1699 erhielt Benediktbeuern seine heutige Gestalt: Eine der bedeutendsten barocken Klosteranlagen Oberbayerns entstand unter Mitwirkung namhafter Künstler wie Johann Michael Fischer, Johann Baptist Zimmermann oder Ignaz Günther. Die barocke Klosterkirche St. Benedikt zählt zu den frühesten großen Barockkirchen auf dem Land und wurde 1972 zur Basilica minor erhoben. Der zwischen 1708 und 1718 errichtete Maierhof war eines der modernsten landwirtschaftlichen Gebäude seiner Zeit und Zentrum der klösterlichen Ökonomie.
Mit der Säkularisation von 1803 endete das benediktinische Klosterleben. Die Anlage ging in weltlichen Besitz über und diente vielfältigen Zwecken: als Glasfabrik, in der Joseph von Fraunhofer bahnbrechende Forschungen betrieb, später als Kaserne, Gefängnis, Invalidenheim und militärische Einrichtung. Erst 1930 begann ein neuer geistlicher Abschnitt, als die Salesianer Don Boscos das Kloster erwarben.
Seither entwickelte sich Benediktbeuern im Geist Don Boscos zu einem „Kloster für die Jugend“. Bildung, Seelsorge, Wissenschaft und Begegnung stehen im Mittelpunkt. Hochschulen, Institute für Jugendpastoral und salesianische Spiritualität sowie vielfältige Bildungsangebote prägten das Profil des Ortes. 1988 entstand im Maierhof das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK), das Umweltbildung, Naturschutz und nachhaltiges Handeln mit spiritueller Tiefe verband und den historischen Wirtschaftshof mit neuem Leben füllte.
Zum 1. Januar 2026 wurden das Kloster Benediktbeuern und das Zentrum für Umwelt und Kultur zu einer gemeinsamen Einrichtung zusammengeführt: dem Don Bosco Kloster Benediktbeuern. Damit bündeln sich geistliches Leben, Jugend- und Erwachsenenbildung, Jugendsozialarbeit und Naturschutz unter einem Dach. Ziel ist es, den traditionsreichen Ort wirtschaftlich, strukturell und inhaltlich zukunftsfähig zu sichern – als offenen Bildungs- und Begegnungsort, der jungen Menschen Orientierung bietet und Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung übernimmt.
Geschichts- und Kunstinteressierte finden im Museum ohne Grenzen zusätzliche Fotos und (kunst-)historische Daten zur Klosteranlage.
Der Name „Benediktbeuern“ leitet sich vom heiligen Benedikt und dem ursprünglichen Wort „Beuern“ ab:
- Benedikt: Ursprünglich war der Apostel Jakobus Patron der Klosterkirche; erst später übernahm der Mönchsvater Benedikt diese Rolle. Die Verehrung des hl. Benedikt wurde maßgeblich gefördert, als Karl der Große zwischen etwa 780 und 814 eine Unterarmreliquie des Heiligen an das benediktinische Kloster schenkte.
- Beuern: Das Wort „Beuern“ stammt vermutlich von „Buren“ oder „Burenhof“ und bezeichnete im Mittelalter einen landwirtschaftlichen Hof oder eine Siedlung.
Zusammen bedeutet „Benediktbeuern“ also etwa „Hof oder Ort des hl. Benedikt“.
Bereits im 13. Jahrhundert beherbergte die Klosterbibliothek von Benediktbeuern eine einzigartige Sammlung von Handschriften. Unter ihnen befinden sich die berühmten Carmina Burana – die größte Sammlung weltlicher und geistlicher Lieder des Mittelalters in Europa. Die Texte umfassen moralische und satirische Lieder, Trinklieder, Minnelieder sowie geistliche Dramen. Die Texte wurden überwiegend in Latein verfasst.
Die Entstehung der Carmina Burana um 1230 ist noch rätselhaft: Vermutlich für den Bischof von Seckau in der Steiermark geschrieben, gelangte der Kodex auf unbekanntem Weg nach Benediktbeuern. Bei der Säkularisation 1803 entdeckte der Bibliothekar Joh. Chr. von Aretin die Handschrift und brachte sie in die Bayerische Staatsbibliothek, wo sie heute aufbewahrt wird.
Weltweite Bekanntheit erlangten die Carmina Burana durch die Vertonung von Carl Orff im Jahr 1937. Off verwandelte 24 Lieder zu einem kraftvollen Chorwerk, das bis heute zu den populärsten und eindrucksvollsten Werken der klassischen Musik zählt.
In der Bibliotheca Augustana [KB1] können Sie die Texte der Carmina Burana im digitalisierten Original sehen.
Klosterführungen
Entdecken Sie das Kloster Benediktbeuern im Rahmen einer Klosterführung. Mit der Teilnahme an einer Führung unterstützen Sie gleichzeitig die Jugendarbeit im Kloster. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Die Klosterführung* dauert ca. 60 Minuten. Sie zeigt:
• Gotischer Kreuzgang mit aktueller Kunstausstellung
• Barocker Kapitelsaal
• Klösterlicher Weinkeller mit Ausstellung zum Kloster
• Gotischer Saal
• Alte Bibliothek | Speisesaal
• Basilika St. Benedikt, Emporenbereich
* Bitte beachten: die Führung ist aktuell nur teilweise barrierefrei möglich.
Termine und Zeiten: Klosterführungen November 2025 bis März 2026
Preise
Vielen Dank für Ihren Besuch. Der Erlös der Führungen kommt der Jugendarbeit im Kloster zugute.
| Erwachsene | 4,50 EUR |
| Ermäßigt: Jgdl. von 16 bis 18 Jahre - Schwerbehinderte | 3,00 EUR |
| Gruppen bis 8 Personen pauschal | 32,00 EUR |
| Gruppen ab 8 Personen | 4,00 EUR / Person |
| Kinder- und Jugendgruppen – Schulklassen | 25,00 EUR / Gruppe |
Tickets
Einzelpersonen erhalten ihre Tickets im Klosterladen/Klosterpforte. Wir freuen uns über Ihre Vorabanmeldung unter Tel.: +49 (0) 8857 / 88 - 100
Gruppenführungen sind im Kloster ebenfalls möglich. Hierfür bieten wir Ihnen gerne gesonderte Führungen außerhalb der regulären Führungszeiten an. Wir freuen uns über eine frühzeitige Anmeldung unter Tel.: +49 (0) 160 - 90 56 89 63 | E-Mail: fuehrung[at]kloster-benediktbeuern.de
Beachten Sie bitte, dass gesonderte Gruppenführungen am Sonntag erst nachmittags möglich sind.
