Wenn Kirchen zum Hörsaal werden
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Theologiestudenten aus Benediktbeuern erkunden das Allgäu
Am Mittwoch, 21. November 2007, fand unter der Leitung des Kirchenhistorikers Professor Pater Dr. Norbert Wolff SDB (hinten, l.) von der PTH Benediktbeuern eine Exkursion ins Allgäu statt. Die Studierenden, die im laufenden Semester an einem Seminar zum Thema „Katholische Bibelwissenschaft an der Schwelle zum 19. Jahrhundert“ teilnehmen, nutzten den vorlesungsfreien Buß- und Bettag, um verschiedene Orte zu besichtigen, die für das Themengebiet von Bedeutung sind.
Mit dem Auto ging es zunächst nach Stötten am Auerberg (Lkr. Ostallgäu), wo die Wurzeln der Familie Gratz liegen, aus der für die Kirchengeschichte bedeutende Männer wie der Exeget Peter Alois Gratz (1769–1849) oder der Augsburger Generalvikar und Domdekan Lorenz Klemens von Gratz (1806–1884) hervorgingen. In der Pfarrkirche St. Peter und Paul, die sämtliche Baustile der letzten Jahrhunderte vereint, referierte eine Seminarteilnehmerin zum Thema „Das 19. Jahrhundert: Von der Bibelkritik zur biblischen Realienkunde“. Nach einer kurzen Diskussion musste die Gruppe jedoch den Gottesdienstbesuchern weichen, die anlässlich einer Beerdigung herbeiströmten.
Nächste Station war die Basilika St. Lorenz in Kempten, die als Kloster- und Pfarrkirche der einstigen Benediktinerabtei mit ihren zwei Türmen und der Kuppel das Stadtbild weithin sichtbar beherrscht. Stadtkaplan Ludwig Waldmüller (hinten, m.), Neffe des vor kurzem verabschiedeten PTH-Honorarprofessors Lothar Waldmüller, erläuterte der Gruppe in einer interessanten Führung das nach dem 30-jährigen Krieg erbaute Gotteshaus – und zwar unter besonderer Berücksichtigung der Situation im 19. Jahrhundert. Im Anschluss daran setzten sich die Exkursionsteilnehmer mit Dominikus von Brentano (1740–1797) und seiner in Kempten-St. Lorenz erstellten Bibelübersetzung nach dem Urtext auseinander.
Nach dem Mittagessen erkundeten die Studierenden unter der Leitung von Professor Wolff die Stadt Kempten, und zwar sowohl die ehemalige Reichsstadt mit der vor kurzem renovierten evangelischen St.-Mang-Kirche als auch die Stiftsstadt. Von den Spannungen, die lange Zeit das Nebeneinander der unmittelbar dem König unterstellten Freien Reichsstadt und der selbständigen Fürstabtei prägten, war jedoch nichts mehr zu spüren. Nur die Freitreppe zeugte noch von der ehemaligen Grenze.
Aufgewärmt vom Kaffee auf dem heimatlichen Hof einer Exkursionsteilnehmerin stattete die Gruppe auf dem Rückweg noch der Marktoberdorfer Pfarrkirche St. Martin einen Besuch ab. Marktoberdorf war nicht nur die Heimat des Benediktinerpaters und Historikers Karl Meichelbeck (1669–1734), der in der ehemaligen Benediktinerabtei Benediktbeuern segensreich gewirkt hatte, sondern auch Sommerresidenz und letzte Ruhestätte des ehemaligen Augsburger Fürstbischofs Clemens Wenzeslaus (1739–1812).
Am Ende des Tages waren sich die Exkursionsteilnehmer einig: Was man selbst erkundet hat, lernt sich einfach leichter als das, was man nur aus dem Hörsaal oder aus einem Buch kennt.
(Text: Barbara Waldmann)
--Nwolff.sdb 21:46, 2. Dez 2007 (CET)
