Brief aus Rom

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DER „BRIEF AUS ROM“ THE "LETTER FROM ROME"
Rom, am 10. Mai 1884<ref>Don Bosco hat den Brief in der vorliegenden Form nicht selbst geschrieben oder wörtlich diktiert. Wegen seiner angeschlagenen Gesundheit und der vielen Arbeit hatte er, wie gewohnt, seinem Begleiter Don Lemoyne die wichtigsten Punkte angegeben, der den Brief dann ausformulierte; der „blumige“ Stil Lemoynes unterscheidet sich deutlich vom Stil Don Boscos, wenn er selbst schrieb oder wörtlich diktierte. Ursprünglich waren es zwei Briefe, je einer an die Salesianer und an die Jungen des Oratoriums, die von den Sekretären Don Boscos redaktionell bearbeitet und zusammengefasst wurden. Siehe den Beitrag von Pietro BRAIDO „Due lettere da Roma“, in Pietro BRAIDO (Hrsg.): Don Bosco educatore. Scritti e testimonianze. Rom, 3. erw. Aufl. 1997, S. 344 – 390.</ref> Rome, 10 May 1884
Meine lieben Söhne in Christus! My dear sons in Jesus Christ,
Wo immer ich auch bin, ich denke immer an Euch, und ich habe nur den einen Wunsch, Euch zeitlich und ewig glücklich zu sehen. Dieser Gedanke, dieser Wunsch drängt mich, Euch diesen Brief zu schreiben. Die Trennung von Euch fällt mir sehr schwer, meine Lieben, und weil ich Euch nicht sehen oder hören kann, vermisse ich Euch ganz arg, glaubt mir. Schon vor einer Woche wollte ich Euch diesen Brief schreiben, aber meine viele Arbeit hier hat mich daran gehindert. Es sind zwar nur noch wenige Tage bis zu meiner Rückkehr, aber mein Wiedersehen mit Euch will ich in diesen Zeilen schon einmal vorwegnehmen, da ich es persönlich noch nicht kann. Was ich Euch schreibe, sind die Worte eines Menschen, der Euch in Christus sehr lieb hat und die Pflicht fühlt, mit der Offenheit eines Vaters zu Euch zu reden. Das erlaubt Ihr mir doch, und Ihr werdet mir Eure Aufmerksamkeit schenken und das, was ich Euch sagen werde, auch in die Tat umsetzen, nicht wahr? Whether I am at home or away I am always thinking of you. I have only one wish, to see you happy both in this world and in the next. It was this idea, this wish of mine, that made me write this letter. Being away from you, and not being able to see or hear you, upsets me more than you can imagine. For that reason I would have liked to write these few lines to you a week ago, but constant work prevented me. And so, although I shall be back very soon, I want to send you this letter in advance, since I cannot yet be with you in person. These words come from someone who loves you very dearly in Christ Jesus, someone who has the duty of speaking to you with the freedom of a father. You'll let me do that, won't you? And you will pay attention to what I am going to say you, and put it into practice.
Ich habe Euch schon gesagt, dass ich immer an Euch denke. Nun, an einem der letzten Abende hatte ich mich auf mein Zimmer zurückgezogen, und während ich mich zum Schlafengehen fertig machte, habe ich die Gebete gesprochen, die ich von meiner lieben Mutter gelernt hatte. Auf einmal -ich weiß nicht recht, ob ich schon eingeschlafen oder irgendwie geistesabwesend war – da schien es mir, als stünden zwei alte Ehemalige des Oratoriums<ref>Der Begriff Oratorium – wörtlich „Gebetsstätte“ – ist schon lange vor Don Bosco bekannt. Gemeint ist damit eine Einrichtung, in der Kinder und Jugendliche religiöse Unterweisung erhielten und ihre Freizeit verbringen konnten. Heutige Bezeichnungen wie etwa „Tagesstätte“, „Hort“ oder „Haus der Offenen Tür“ geben nur unvollständig wieder, was Don Bosco mit Oratorium meinte und wollte: menschliche, schulische (später auch berufliche) Bildung, religiöse Unterweisung und eine ansprechende Freizeitgestaltung für Kinder und Jugendliche, die den ganzen Tag oder Stunden (anfangs nur sonntags) bei ihm verbrachten, aber nicht bei ihm wohnten. Später wurde mit Oratorium zusätzlich auch die Einrichtung bezeichnet, in der dies stattfand.</ref> vor mir. Einer von ihnen trat näher, begrüßte mich herzlich und sagte: „Don Bosco, kennen Sie mich noch?“ – „Ja, ich kenne dich“, gab ich zur Antwort. „Sie erinnern sich noch an mich?“ -„An dich und an alle die anderen. Du bist Valfré und warst vor 1870 im Oratorium.“ – „Sagen Sie“, fuhr er fort, „wollen Sie die Jungen sehen, die zu meiner Zeit im Oratorium waren?“ -„Ja“, sagte ich, „zeige sie mir, ich würde mich sehr darüber freuen.“ I have said that you are always and exclusively in my thoughts. Well, a couple of evenings ago I had gone to my room, and while I was preparing for bed I began to say the prayers my good mother taught me, and whether I simply fell asleep or became distracted I don't know, but it seemed that two of the former pupils of the Oratory in its early days were standing there before me. One of them came up to me, greeted me warmly, and said: "Do you recognize me, Don Bosco?" "Of course I do", I answered. "And do you still remember me?" the man went on. "I remember you and all the others. You're Valfré, and you were at the Oratory before 1870." "Tell me", went on Valfré, "would you like to see the youngsters who were at the Oratory in my time?" "Yes, let me see them", I answered, "I would like that very much."
Da zeigte mir Valfré alle Jungen, mit dem Aussehen, der Gestalt und in dem Lebensalter von damals. Mir war, als wäre ich im alten Oratorium, zur Zeit der Erholung; da war Leben, voller Bewegung und Fröhlichkeit. Die einen liefen, andere übten Springen, und wieder andere waren begeistert bei anderen Spielen. Hier spielte man Bockspringen, dort Bahrlauf und Wurfball. An einer Stelle war eine Gruppe Jungen beisammen und lauschte gespannt einem Priester, der eine Geschichte erzählte. An einer anderen Stelle spielte ein Kleriker<ref>„Kleriker“ war damals die Bezeichnung für die Salesianer, die noch in der Zeit ihrer Priesterausbildung waren.</ref> mit den Jungen den „fliegenden Esel“ und die „Handwerker“. Überall wurde gelacht und gesungen, und überall sah man Kleriker und Priester, umgeben von fröhlichen, lachenden Jungen. Man spürte, dass zwischen diesen und ihren Erziehern große Herzlichkeit und viel Vertrauen herrschte. Ich war ganz begeistert von dem Schauspiel, und Valfré sagte zu mir: „Sehen Sie, die familiäre Herzlichkeit schafft Liebe, und die Liebe schafft Vertrauen. Das öffnet die Herzen, und die Jungen können ohne Angst über alles mit ihren Lehrern, Erziehern und Vorgesetzten reden. Sie sind ehrlich, in der Beichte und außerhalb, und sie richten sich gern nach dem, von dem sie sicher sind, dass er sie liebt.“ Valfré then showed me the boys just as they had been at that time, with the same age, build and looks. I seemed to be in the old Oratory at recreation time. It was a scene full of life, full of movement, full of fun. Some were running, some were jumping, some were skipping. In one place they were playing leap-frog, in another tag, and in another a ball-game was in progress. In one corner a group of youngsters were gathered round a priest, hanging on his every word as he told them a story. In another a cleric was playing with a number of lads at "chase the donkey" and "trades". There was singing and laughing on all sides, there were priests and clerics everywhere and the boys were yelling and shouting all round them. You could see that the greatest cordiality and confidence reigned between youngsters and superiors. I was overjoyed at the sight, and Valfré said to me: "You see, closeness leads to affection, and affection brings confidence. It is this that opens hearts and the young people express everything without fear to the teachers, to the assistants and to the superiors. They become frank both in the confessional and out of it, and they will do everything they are asked by one whom they know loves them."
In diesem Augenblick trat der andere alte Ehemalige zu mir - es war Josef Buzzetti -, er hatte einen schon ganz weißen Bart. „Don Bosco“ sagte er, „wollen Sie auch die Jungen sehen, die jetzt im Oratorium sind?“ – „Ja, gern“, sagte ich, „es ist nämlich schon einen Monat her, dass ich sie nicht mehr gesehen habe.“ Da zeigte er sie mir. Ich sah das Oratorium, und Euch alle, wie Ihr gerade Freizeit hattet. At that moment the other past pupil, who had a white beard, came up to me and said: "Don Bosco, would you like to see and know the boys who are at the Oratory at the present time?" This man was Joseph Buzzetti. "Yes", I replied, "It is a month since I last saw them." And he showed them to me.
Aber ich hörte da nichts mehr an frohem Geschrei oder Liedern, und von dem Leben und Treiben wie in der ersten Szene war auch nichts zu sehen. Viele Jungen hingen herum und schauten so gelangweilt, so müde, enttäuscht und misstrauisch, dass es mir ans Herz griff. Gewiss, viele

tobten herum, hatten ihren Spaß miteinander und waren sorglos und glücklich. Aber eine ganze Reihe lehnten sich trübsinnig und allein an die Säulen, und andere drückten sich auf Treppen und Gängen, auf den Balkonen und zur Gartenseite herum, um nicht mit den Kameraden spielen zu müssen. Wieder andere gingen langsam in Gruppen spazieren, sie unterhielten sich leise für sich und schauten sich dabei immer wieder argwöhnisch um. Manchmal fingen sie auch an zu lachen, aber mit solch einem Gesicht, dass man sicher sein konnte, dass der hl. Aloysius sich in ihrer Gesellschaft geschämt hätte. Aber auch unter denen, die spielten, waren einige so wenig bei der Sache, dass man deutlich merken konnte, dass die Freizeit ihnen keinen richtigen Spass machte. „Haben Sie Ihre Jungen gesehen?“ fragte mich der Ehemalige. „Ja, ich sehe sie“, sagte ich und seufzte. „Wie ganz anders sind sie doch als wir früher“, sagte der Ehemalige. „Wirklich, viele haben ja in der Freizeit zu überhaupt nichts Lust!“ -„Und daher kommt es auch, dass viele innerlich unberührt bleiben, wenn sie die heiligen Sakramente empfangen, und dass sie bei den Gebeten innerhalb und außerhalb der Kirche so gleichgültig sind. Deshalb sind sie nur ungern in einem Heim, in dem sie der liebe Gott doch so reichlich mit allem versorgt, was sie an Leib und Seele brauchen. Das ist auch der Grund dafür, dass viele ihrer Berufung nicht entsprechen, für die Undankbarkeit ihren Erziehern gegenüber, für die Geheimniskrämerei, für das Meckern und für andere, schlimme Dinge.“ „Das wird mir klar, ich verstehe“, erwiderte ich. „Aber wie können wir meine jungen Freunde wieder neu begeistern, so dass sie ihren alten Schwung wiederfinden und froh und offen werden?“

„Durch Liebe!“

„Durch Liebe? Aber werden denn meine Jungen nicht genug geliebt? Du weißt doch, wie sehr ich sie liebe. Du weißt, wie viel ich in den mehr als vierzig Jahren getan und durchgestanden habe, und was ich auch heute noch alles ertrage und aushalte, damit sie Nahrung, Heimat und Ausbildung haben, und besonders aus Sorge um ihr ewiges Heil; so viele Mühen, Erniedrigungen, Widerstände und Verfolgungen! Ich habe alles für sie getan, was ich wusste und konnte, denn ihnen gehört doch mein ganzes Herz.“

„Ich spreche doch nicht von Ihnen!“

„Von wem denn sonst? Vielleicht von meinen Vertretern, den Direktoren, den Wirtschaftsleitern, den Lehrern und den Erziehern? Siehst du denn nicht, wie sie sich abplagen und abrackern in der Schule, bei der Arbeit und in der Freizeit? Wie sie ihre besten Jahre geben für die Jungen, die ihnen der liebe Gott anvertraut?“

„Ich sehe es, ich weiß es. Aber das genügt noch nicht. Das Wichtigste fehlt.“

„Was fehlt denn noch?“

„Die Jungen müssen nicht nur geliebt werden, sie müssen diese Liebe selbst auch spüren.“

„Ja, haben sie denn keine Augen im Kopf, haben sie keinen Verstand? Sehen sie denn nicht, dass man alles nur aus Liebe für sie tut?“

„Nein! Ich sage es noch einmal: Das ist nicht genug!“

„Was will man denn noch mehr?“

„Wenn man das liebt, was ihnen Freude macht, wenn man auf ihre Neigungen eingeht, dann lernen sie, die Liebe auch in dem zu erkennen, was ihnen nicht so gefällt, wie z. B. Disziplin, Lernen oder auch Selbstüberwindung. Sie lernen so, diese Dinge mit Begeisterung und Liebe zu vollziehen.“

„Erkläre das mal deutlicher!“

„Beobachten Sie einfach die Jungen in der Freizeit!“

Ich schaute hin und sagte dann: „Was gibt es da Besonderes zu sehen?“

„Sie sind nun schon so viele Jahre Jugenderzieher und verstehen das nicht? Schauen Sie mal genau hin! Wo sind denn unsere Salesianer?“

Nun fiel mir auf, dass sehr wenige Priester und Studenten bei den Jungen waren, und noch weniger spielten zusammen mit ihnen. Die Erzieher waren nicht mehr das Herz der Freizeit. Die meisten gingen umher und unterhielten sich untereinander, ohne darauf zu achten, was die Jungen trieben. Andere schauten bloß bei den Spielen zu, ohne wirklich an die Jungen zu denken, und wieder andere beaufsichtigten die Jungen aus so weiter Entfernung, dass sie nicht merken konnten, wo etwas fehlte. Der eine oder andere rief den Jungen wohl etwas zu, aber in drohendem Ton, und auch nur selten. Gewiss, es gab auch Erzieher, die sich an der Unterhaltung einer Gruppe von Jungen beteiligen wollten. Aber ich konnte sehen, dass die dann ihren Erziehern absichtlich aus dem Weg gingen.

Dann sagte mein Freund: „Waren Sie selbst in der guten alten Zeit des Oratoriums nicht immer mitten unter uns Jungen, besonders in der Freizeit? Erinnern Sie sich noch an diese schönen Jahre? Das waren doch Zeiten wie im Himmel, und ich denke gern daran zurück, weil damals die Liebe unser Leben regelte und wir vor Ihnen keine Geheimnisse hatten.“

„Das stimmt! Das hat mir damals viel Freude gemacht, und die Jungen drängten sich begeistert um mich, um mit mir zu reden. Sie haben wirklich versucht, auf meine Ratschläge zu hören und sie zu befolgen. Aber jetzt geht das nicht mehr, wegen der dauernden Konferenzen und all dem, was ich zu tun habe, und leider bin ich auch nicht mehr so gesund.“

„Schon gut; aber wenn Sie selbst nicht mehr können, warum machen es denn Ihre Salesianer nicht nach Ihrem Vorbild so weiter? Warum bestehen Sie nicht darauf, warum fordern Sie nicht, dass sie mit den Jungen so umgehen wie Sie damals?“

„Ich sage es ihnen ja und rede mir die Lunge aus dem Leib, aber trotzdem wollen viele die Mühen von damals nicht mehr auf sich nehmen.“

„Nun, weil sie nicht auf solche Kleinigkeiten achten, ist alle ihre Mühe und Arbeit umsonst. Sie sollen lieben, was der Jugend gefällt, dann werden die Jugendlichen das lieben, was den Erziehern gefällt. So wird auch ihre Arbeit leichter. Die Ursache, warum es jetzt im Oratorium schlechter geworden ist, liegt im Mangel an Vertrauen einiger Jungen zu ihren Erziehern. Früher waren die Herzen offen gegenüber den Erziehern, die Jungen liebten sie und gehorchten ihnen gern. Aber jetzt werden sie als Vorgesetzte gesehen und nicht mehr als Väter, Brüder und Freunde, die Jungen haben mehr Angst vor ihnen, als dass sie ihre Erzieher gern haben. Wenn alle wieder ein Herz und eine Seele werden sollen, dann muss man um Gottes willen dafür sorgen, dass dieses schlimme Misstrauen aufhört und statt dessen wieder herzliches Vertrauen herrschen kann. Dann werden die jungen Menschen wieder wie Kinder ihrer Mutter gehorchen, und dann wird es auch wieder so zufrieden und froh im Oratorium zugehen wie früher.“

„Wie kann man das denn erreichen?“

„Indem die Erzieher und die Jungen herzlich und vertrauensvoll miteinander umgehen, vor allem in der Freizeit. Ohne Herzlichkeit und Vertrauen gibt es keine Liebe, und ohne Liebe gibt es kein Vertrauen. Wer geliebt sein will, muss zeigen, dass er liebt. Jesus Christus hat sich klein gemacht mit den Kleinen und unsere Schwächen auf sich genommen. Er ist wirklich ein Meister im Vertrauen! Der Lehrer, der nur am Lehrerpult steht, ist Lehrer, und nicht mehr. Wenn er aber auch in der Freizeit bei den Jungen ist, wird er deren Bruder. Wenn einer nur von der Kanzel predigt, wird man sagen, er tue nur seine Schuldigkeit. Findet er aber auch während der Erholungszeit das rechte Wort, dann ist es das Wort eines Menschen, der liebt. Welche Veränderungen haben nicht schon ein paar Worte bewirkt, die wie zufällig während einer Unterhaltung in das Herz eines jungen Menschen gefallen sind. Wer sich geliebt weiß, der liebt wieder, und wer geliebt wird, der erreicht alles, besonders bei der Jugend. Dieses Vertrauen fließt wie elektrischer Strom zwischen den Jungen und ihren Erziehern. Die jungen Menschen öffnen sich, erzählen von dem, was sie bekümmert, und sie sprechen dann auch über ihre Fehler. Diese Liebe macht es auch für die Erzieher leichter, Mühen, Sorgen, Undankbarkeit, Unruhe, Fehler und Nachlässigkeiten der Jungen auf sich zu nehmen. Jesus Christus hat das schon geknickte Rohr nicht gebrochen und den glimmenden Docht nicht ausgelöscht. Er ist Euer Vorbild! Dann wird keiner mehr arbeiten, um sich in den Vordergrund zu spielen; niemand wird strafen, bloß weil seine Eigenliebe verletzt worden ist; keiner wird sich vor der Aufsicht drücken, weil er denkt, dass die anderen Erzieher beliebter sind. Niemand wird andere Erzieher schlecht machen, um sich selbst beliebt zu machen

– man erntet dadurch bei den Jungen sowieso nur Verachtung und geheuchelte Schmeicheleien. Niemand wird mehr einen der jungen Menschen zu seinem Liebling machen und ihn bevorzugen, und dabei die anderen Jungen vernachlässigen; keiner wird aus Bequemlichkeit seine Aufsichtspflicht vernachlässigen, und keiner wird aus falscher Rücksicht einen Tadel unterlassen, wo getadelt werden muss. Wo die wahre Liebe herrscht, da sucht man zuerst die Ehre Gottes und das Heil der Seelen. Wo aber diese Liebe schwindet, da bleibt es nicht aus, dass die Dinge nicht mehr gut laufen. Warum soll an die Stelle der Liebe ein kühles Reglement treten? Warum weichen die Vorgesetzten von den Erziehungsgrundsätzen ab, die sie von Don Bosco gelernt haben? Warum wird die alte Methode, Fehlern durch Wachsamkeit und Liebe vorzubeugen, nun nach und nach dadurch ersetzt, dass Gesetzesparagraphen aufgestellt werden? Das ist zwar für die Erzieher einfacher und bequemer, aber wenn man die Einhaltung durch Strafen erzwingt, entsteht daraus nur Hass und Unwillen. Wenn man aber ihre Übertretung ungestraft durchgehen lässt, verlieren die Erzieher die Achtung der Jungen, und es kommt zu gröbsten Unordnungen.

Alle diese Folgen ergeben sich zwangsläufig, wenn die Familiarität fehlt. Wenn also die glücklichen Zeiten des Oratoriums wiederkommen sollen, dann muss man zur früheren Methode zurückkehren: Der Vorgesetzte soll allen alles sein. Er soll jederzeit bereit sein, jeden Zweifel und jede Klage der Jungen anzuhören. Er soll ganz Auge sein, um wie ein Vater auf ihr Betragen zu achten, er soll ganz Herz sein, um das seelische und leibliche Wohl derer zu fördern, die Gott ihm anvertraut hat. Dann werden die Herzen sich wieder öffnen, und gewisse Heimlichkeiten werden verschwinden. Nur bei unsittlichem Verhalten sollen die Vorgesetzten unerbittlich sein. Hier ist es besser, die Gefahr auf sich zu nehmen, einmal einen Unschuldigen aus dem Heim zu entlassen, als einen Verführer zu behalten. Die Erzieher sollen es als ihre Gewissenspflicht ansehen, den Vorgesetzten über Vorkommnisse unter den Jungen mitzuteilen, die irgendwie eine Beleidigung Gottes darstellen.“15

Hier fragte ich: „Wie kann man am besten für diese Herzlichkeit, diese Liebe und dieses Vertrauen sorgen?“ – „Indem man sich genau an die Heimordnung hält.“ – „Ist das alles?“ – „Der beste Topf auf dem Tisch ist ein frohes Gesicht.“

Mein ehemaliger Schüler schloss mit diesen Worten, und ich dachte noch weiter traurig über unser Gespräch nach; da wurde ich immer müder. Als ich kaum mehr gegen die Mattigkeit ankämpfen konnte, schüttelte ich mich und erwachte. Ich stand neben meinem Bett. Ich spürte meine geschwollenen Beine. Sie schmerzten mich so sehr, daß ich nicht mehr aufrecht stehen konnte. Da es schon sehr spät war, legte ich mich hin und beschloss, Euch, meinen lieben Söhnen, diese Zeilen zu schreiben.16

Ich liebe solche Träume nicht, weil sie mich sehr ermüden. Am nächsten Tag fühlte ich mich wie zerschlagen und konnte kaum den Abend erwarten, um schlafen gehen zu können. Aber siehe da, kaum hatte ich mich niedergelegt, da begann der Traum schon wieder.17

Ich sah den Hof vor mir, die Jungen, die zur Zeit im Oratorium sind, und denselben Ehemaligen. Ich fragte ihn: „Was du mir gesagt hast, das werde ich meinen Salesianern mitteilen. -Was aber soll ich den Jungen im Oratorium sagen?“

„Sie sollen erkennen, wie viel Mühen und Sorgen ihre Vorgesetzten, Lehrer und Erzieher aus Liebe auf sich nehmen, denn das tun sie doch einzig und allein, damit es ihnen gut geht. Die Jungen sollen daran denken, dass die Demut die Quelle aller Zufriedenheit ist. Sie sollen lernen, die Fehler anderer zu ertragen, denn auf Erden findet sich nichts Vollkommenes, das gibt es allein im Himmel. Sie sollen das Meckern und Nörgeln lassen, das vergiftet nur die Herzen und die Atmosphäre. Vor allem aber sollen sie sich Mühe geben, immer in der Gnade Gottes zu leben.

Wer nämlich mit Gott keinen Frieden hat, der hat auch mit sich selbst und mit anderen keinen Frieden.“

15 Die Bewertung kindlicher und jugendlicher Sexualität sowie ihrer möglichen Ausdrucksformen ist aus den Moralvorstellungen des 19. Jhdts. zu verstehen.

16 Hier endet der Teil des Briefes mit dem ersten Traum, der dann nur an die Salesianer gerichtet war.

17 Der zweite Traum – der Teil dieses Briefes, der für die Jungen bestimmt war – lässt ein erzieherische Denken Don Boscos durchscheinen, das neu in der damaligen Zeit war: Die jungen Menschen sind nicht „Objekte“ von Erziehung, die sie mehr oder weniger passiv erhalten und wofür die Erwachsenen allein verantwortlich sind. Er machte seinen Jungen klar: Ohne ihre aktive Mitarbeit, ohne ihre Bereitschaft, sich auf die personalen Angebote einzulassen, geht es nicht, und dafür tragen sie selbst auch Verantwortung.

„Willst Du damit sagen, dass einige meiner Jungen nicht mit Gott in Frieden leben?“

„Neben anderen Übeln, von denen Sie schon wissen und die ich deshalb nicht weiter erwähnen muss, ist das der Hauptgrund für die schlechte Stimmung im Heim. Das ist doch klar: Argwöhnisch ist nur, wer etwas zu verbergen hat und befürchten muss, dass dies herauskommt, er dafür bestraft wird und in Schande gerät. Wenn einer keinen Frieden mit Gott hat, dann ist er ängstlich, unruhig, widerspenstig, überempfindlich und schlecht gelaunt. Und weil er ohne Liebe ist, glaubt er, seine Erzieher hätten ihn auch nicht lieb.“

„Ja aber, mein lieber Freund, siehst du denn nicht, wie oft die Jungen im Oratorium zu den heiligen Sakramenten gehen?“

„Ja schon, sie gehen oft zur Beichte, aber oft fehlen die festen Vorsätze. Die Jungen beichten zwar, aber es sind immer dieselben Fehler, dieselben nächsten Gelegenheiten, dieselben schlechten Gewohnheiten, dieselben Fälle von Ungehorsam und Pflichtvernachlässigung. So geht das monatelang und vielleicht sogar jahrelang weiter, ja, bei einigen sogar bis zur Schulentlassung. Solche Beichten haben nur geringen oder gar keinen Wert, und deshalb bringen sie auch keinen Frieden, und wenn ein Junge in diesem Zustand vor Gottes Gericht treten müsste, so wäre das eine sehr ernste Angelegenheit.“<ref>Viele damalige Theologen vertraten die Ansicht, Gott sei so unendlich groß, dass der Mensch es nur ganz selten wagen dürfe, ihm in der hl. Kommunion zu nahen. Andere betonten dagegen die unendliche Liebe und Güte Gottes, die vor allem in der Eucharistie sichtbar wird. Don Bosco lud seine Jungen immer wieder ein, häufig zur hl. Kommunion zu gehen. Aber als Kind seiner Zeit hielt er doch die häufige, möglichst wöchentliche Beichte für notwendig.</ref>

„Gibt es im Oratorium viele solcher Jungen?“

„Im Vergleich zu den vielen Jungen im Heim sind es nur wenige. Passen Sie auf, ich werde Sie Ihnen zeigen.“

Ich schaute hin und sah jeden einzelnen dieser Jungen. Bei diesen wenigen aber sah ich Dinge, die mich ganz traurig machten. In diesem Brief will ich nichts weiter zu schreiben, aber nach meiner Rückkehr werde ich jedem sagen, was ihn betrifft. Hier möchte ich nur sagen, dass es an der Zeit ist, zu beten und entschlossene Vorsätze zu fassen, Vorsätze, die nicht nur hingeredet werden, sondern durch Taten zeigen, dass es auch heute noch Jungen unter uns gibt wie damals Comollo, Dominikus Savio, Besucco und Saccardi.<ref>Aloys Comollo war Don Boscos bester Freund in der Schule und dann im Priesterseminar; er starb dort 1839 mit 22 Jahren. Dominikus Savio (1842 – 1857), Schüler im Oratorium, wurde 1954 heiliggesprochen. Auch Francesco Besucco war als Schüler im Oratorium, er starb dort 1864 mit 13 Jahren. Ernesto Saccardi war zunächst Schüler bei den Salesianern in Mirabello, er starb mit 16 Jahren im Oratorium in Turin.</ref>

Schließlich fragte ich meinen Freund: „Möchtest du mir sonst noch etwas sagen?“

„Ja, erinnern Sie alle, groß und klein, immer wieder daran, dass sie Kinder der Mutter Gottes sind. Sie, die Helferin der Christen, hat sie alle dort im Heim zusammengeführt, um sie vor der Gefahr des Bösen zu bewahren. Sie sollen sich wie Brüder lieben und durch ein gutes Leben Gott ehren und Maria loben, die immer wieder durch ihre Gnade und durch Wunder für das tägliche Brot und für die Mittel zur Ausbildung sorgt. Sie sollen daran denken, dass das Fest der Helferin der Christen bevorsteht, und mit ihrer Hilfe soll die Mauer des Misstrauens fallen, die der Böse zwischen Jungen und Erziehern aufrichten konnte und die er nun geschickt zum Verderben der Seelen benützt.“

„Wird es uns also gelingen, diese Mauer einzureißen?“

„Ganz bestimmt, wenn nur groß und klein aus Liebe zur Gottesmutter bereit sind, etwas Selbstüberwindung auf sich zu nehmen und das, was ich gesagt habe, in die Tat umzusetzen.“

Während dem schaute ich weiter meinen Jungen zu und beobachtete das traurige Schauspiel derer, die ich auf dem Wege zum ewigen Unheil sah; da fühlte ich solches Herzdrücken, dass ich erwachte. Ich möchte Euch gern noch viele wichtige Dinge erzählen, aber meine Zeit und die Umstände erlauben mir das leider nicht.

Ich komme zum Schluss. Wisst Ihr, was ich armer, alter Mann, der ich mein ganzes Leben für die Jugend geopfert habe, mir von Euch wünsche? Nur dies eine: Tut auch Ihr Eure Pflicht, und lasst die glücklichen Tage des alten Oratoriums wiederkehren, die Tage der Liebe und des Vertrauens zwischen Jungen und Erziehern, die Tage der gegenseitigen Zuvorkommenheit und Verträglichkeit um der Liebe Christi willen, die Tage einfacher Offenheit und Lauterkeit, die Tage der Liebe und der echten Fröhlichkeit aller! Ich brauche diesen Trost, dass Ihr mir die Hoffnung und das Versprechen schenkt, alles zu tun, was ich mir von Euch zu Eurem Besten wünsche. Ihr wisst noch gar nicht so richtig, wie viel Glück ihr habt, dass Ihr im Oratorium eine Heimat gefunden habt. Vor Gott bezeuge ich Euch: Wenn ein junger Mensch in ein Heim der Salesianer eintritt, wird er sogleich von der Gottesmutter unter ihren besonderen Schutz genommen. Seien wir ein Herz und eine Seele! Die Liebe derer, die befehlen, und die Liebe derer, die gehorchen müssen,<ref>Don Boscos Verständnis von Befehlen und Gehorchen in der Erziehung erklärt sich aus dem Autoritätsverständnis der damaligen Zeit, z.B. in Familie und Schule, und in der Gesellschaft überhaupt.</ref> wird unter uns den Geist des heiligen Franz von Sales<ref>Don Bosco verehrte den hl. Franz von Sales (1567 – 1622) wegen seiner liebenswürdigen Güte sehr und nannte seine Ordensgemeinschaft nach ihm Gesellschaft des hl. Franz von Sales; daher heute Salesianer Don Boscos.</ref> herrschen lassen.

Meine lieben Jungen, bald kommt die Zeit, dass ich von Euch Abschied nehmen und in die Ewigkeit reisen werde. (Anmerkung des Sekretärs: Don Bosco unterbrach hier sein Diktat. Ihm traten Tränen in die Augen, aber nicht vor Traurigkeit, sondern vor ganz großer Liebe, die auch aus seinem Blick und seiner Stimme sprach. Nach einigen Augenblicken diktierte er weiter. x)<ref>Diese Anmerkung ist Bestandteil des Briefes, sie wurde bei den Jungen mit vorgelesen.</ref> Darum wünsche ich mir von ganzem Herzen, Euch alle, meine Mitbrüder und meine lieben jungen Freunde, auf dem Weg zu wissen, auf dem der Herr Euch sehen möchte. Dazu schickt Euch auch der Heilige Vater, den ich am Freitag, dem 9. Mai besucht habe, von ganzem Herzen seinen Segen. Am Fest der Helferin der Christen<ref>Das Fest „Maria, Helferin der Christen“ am 24. Mai war für Don Bosco – und ist deshalb für die Salesianische Familie – ein besonderer Feiertag.</ref> werde ich wieder in Eurer Mitte vor ihrem Gnadenbild sein. Ich wünsche, dass dieses große Fest mit aller Feierlichkeit begangen wird. Don Lazzero und Don Marchisio<ref>Don Giuseppe Lazzero war damals Direktor des Oratoriums, und Don Secondo Marchisio der Wirtschaftsleiter.</ref> sollen dafür sorgen, dass auch bei Tisch Freude herrscht. Dieses Fest soll ein Vorspiel des ewigen Festes sein, das wir einst alle miteinander im Himmel feiern werden.

Euer Freund, der Euch in Christus liebt,


Priester Johannes Bosco

<references/>

I saw the Oratory and all of you in recreation. But no more could I hear the joyful shouts and singing, no longer was there the lively activity of the previous scene. In the faces and actions of many boys there was evident a weary boredom, a surliness, a suspicion, that pained me. I saw many, it is true, who ran about and played in light-hearted joy. But I saw quite a number of others on their own, leaning against the pillars, a prey to depressing thoughts. Others were on the steps or in the corridors, or up on the terraces near the garden so as to be away from the common recreation. Others were strolling about in groups, talking to each other in low tones and casting furtive and suspicious glances in every direction. Sometimes they would laugh, but with looks and smirks that would make you not only suspect but feel quite certain that St Aloysius would have blushed to find himself in their company. Even among those who were playing, there were some so listless that it was clear they were not enjoying their games.

"Do you see your boys?", asked my former pupil. "I can see them", I replied with a sigh.

"How different they are from what we used to be", went on the past pupil.

"Too true! What an apathetic recreation!"

"This is what gives rise to the coldness of so many in approaching the sacraments, to neglect of the prayers in church and elsewhere; to their reluctance to be in a place where Divine Providence heaps every possible blessing on their bodies, their souls and their minds. This is why so many do not follow their vocation, why they are ungrateful to their superiors, why they are secretive and grumble, with all the other regrettable consequences."

"I see, I understand", I said. "But how can we bring these youngsters to life again, so that we can get back to the liveliness, the happiness, the warmth of the old days?"

"With charity!"

"With charity? But don't my boys get enough love? You know how I love them. You know how much I have suffered and put up with for them these forty years, and how much I endure suffer even now. How many hardships, how many humiliations, how much opposition, how many persecutions to give them bread, a home, teachers, and especially to provide for the salvation of their souls. I have done everything I possibly could for them; they are the object of all my affections.

"I'm not referring to you."

"Then to whom are you referring? To those who take my place? To the rectors, the prefects, the teachers, the assistants? Don't you see that they are martyrs to study and work, and how they burn out their young lives for those Divine Providence has entrusted to them?"

"I can see all that and I am well aware of it, but it is not enough; the best thing is missing."

"All right then. What is it that is missing?

"That the youngsters should not only be loved, but that they themselves should know that they are loved."

"But have they not got eyes in their heads? Have they no intelligence? Don't they see how much is done for them, and all of it out of love?"

"No, I repeat: it is not enough."

"Well, what else is needed?"

"By being loved in the things they like, through taking part in their youthful interests, they are led to see love in those things too which they find less attractive, such as discipline, study and self-denial, and so learn to do these things too with love."

"I'm afraid you'll have to explain that more clearly."

"Look at the youngsters in recreation."

I looked, and then asked: "Well, what is special about it?"

"You've been educating young people for so many years and you don't understand! Look harder! Where are our Salesians?"

I looked, and I saw that very few priests and clerics mixed with the boys, and fewer still were joining in their games. The superiors were no longer the heart and soul of the recreation. Most of them were walking up and down, chatting among themselves without taking any notice of what the pupils were doing. Others looked on at the recreation but paid little heed to the boys. Others supervised from afar, not noticing whether anyone was doing something wrong. Some did take notice but only rarely, and then in a threatening manner. Here and there a Salesian did try to mix with a group of boys, but I saw that the latter were bent on keeping their distance from teachers and superiors.

Then my friend continued: "In the old days at the Oratory, were you not always among the boys, especially during recreation? Do you remember those wonderful years? They were a foretaste of heaven, a period of which we have fond memories, because then love was the rule and we had no secrets from you."

"Yes, indeed! Everything was a joy for me then, and the boys used to rush to get near me and talk to me; they were anxious to hear my advice and put it into practice. But don't you see that now with these never-ending interviews, business matters, and my poor health I cannot do it any more."

"Well and good; but if you cannot do it, why don't your Salesians follow the example you gave? Why don't you insist, why don't you demand, that they treat the boys as you used to do?"

"I do. I talk till I'm blue in the face, but unfortunately not everyone nowadays feels like working as hard as we used to."

"And so by neglecting the lesser part they waste the greater, meaning all the work they put in. Let them like what pleases the youngsters and the youngsters will come to like what pleases the superiors. In this way their work will be made easy. The reason for the present change in the Oratory is that many of the boys no longer have confidence in their superiors. There was a time when all hearts were wide open to their superiors, when the boys loved them and gave them prompt obedience. But now the superiors are thought of precisely as superiors and no longer as fathers, brothers and friends; they are feared and little loved. And so if you want everyone to be of one heart and soul again for the love of Jesus you must break down this fatal barrier of mistrust, and replace it with a happy spirit of confidence. Then obedience will guide the pupil as a mother guides her baby; and the old peace and happiness will reign once again in the Oratory."

"How then are we to set about breaking down this barrier?"

"By a friendly informal relationship with the boys, especially in recreation. You cannot have affection without this familiarity, and where affection is not evident there can be no confidence. If you want to be loved, you must make it clear that you love. Jesus Christ made himself little with the little ones and bore our weaknesses. He is our master in the matter of the friendly approach. The teacher who is seen only in the classroom is a teacher and nothing more; but if he joins in the pupils' recreation he becomes their brother. If someone is only seen preaching from the pulpit it will be said that he is doing no more and no less than his duty, whereas if he says a good word in recreation it is heard as the word of one who loves. How many conversions have been brought about by a few words whispered in the ear of a youngster while he is playing. One who knows he is loved loves in return, and one who loves can obtain anything, especially from the young. This confidence creates an electric current between youngsters and their superiors. Hearts are opened, needs and weaknesses made known. This love enables superiors to put up with the weariness, the annoyance, the ingratitude, the troubles that youngsters cause. Jesus Christ did not crush the bruised reed nor quench the smouldering flax. He is your model. Then you will no longer see anyone working for his own glory; you will no longer see anyone punishing out of wounded self-love; you will not see anyone neglecting the work of supervision through jealousy of another's popularity; you won't hear people running others down so as to be looked up to by the boys: those who exclude all other superiors and earn for themselves nothing but contempt and hypocritical flattery; people who let their hearts be stolen by one individual and neglect all the other boys to cultivate that particular one. No one will neglect his strict duty of supervision for the sake of his own ease and comfort; no one will fail through human respect to reprimand those who need reprimanding. If we have this true love, we shall not seek anything other than the glory of God and the good of souls. When this love languishes, things no longer go well. Why do people want to replace love with cold rules? Why do the superiors move away from the observance of the rules Don Bosco has given them? Why the replacement little by little of loving and watchful prevention by a system which consists in framing laws? Such laws either have to be sustained through punishment and so create hatred and cause unhappiness or, if they are not enforced, cause the superiors to be despised and bring about serious disorders. This is sure to happen if there is no friendly relationship, So if you want the Oratory to return to the happiness of old, then bring back the old system: let the superior be all things to all, always ready to listen to any boy's complaints or doubts, always alert to keep a paternal eye on their conduct, all heart to seek the spiritual and temporal good of those Divine Providence has entrusted to him. Then hearts will no longer be closed and deadly subterfuge will no longer hold sway. The superiors should be unbending only in the case of immoral conduct. It is better to run the risk of expelling someone who is innocent than to keep someone who causes others to sin. Assistants should make it a strict duty in conscience to refer to the superiors whatever they know to be an offence against God."

Then I asked a question: "And what is the best way of achieving this friendly relationship, this kind of love and confidence?"

"The exact observance of the rules of the house."

"Nothing else?"

"At a dinner the best dish is a hearty welcome."

With that my past pupil finished speaking, and I went on looking at that recreation with great displeasure. Little by little I felt oppressed by a great weariness that became worse at every moment. Eventually it got so bad that I could resist no longer, and I shook myself and woke up. I found myself standing beside my bed. My legs were so swollen and hurt so much that I could not stand up any longer. It was very late and I went to bed, resolved to write these lines to my sons.

I wish I did not have these dreams, they tire me so much. The following day I was dead tired, and I could hardly wait for the hour to come to go to bed that evening. But I was hardly in bed when the dream began again. Before me once again was the playground, with the boys at present at the Oratory and the same past pupil as before. I began to question him.

"I'll let my Salesians know what you have told me, but what should I say to the boys of the Oratory?"

"Tell them", he said, "to realize how much the superiors, the teachers, the assistants, plan and wear themselves out for love of them, since they would not sacrifice themselves so much if they didn't love them. Let them never forget that humility is the source of all peace of mind; let them be able to put up with each other's shortcomings, because there is no perfection in this world, only in heaven. Tell them not to grumble because it freezes the heart. But especially, tell them to live in the holy grace of God. If you are not at peace with God, you cannot be at peace with yourself, nor with others."

"Are you telling me then that among my boys there are some who are not at peace with God?"

"Among other reasons you already know, this is the principal cause of bad spirit. There is no need for me to tell you that you must do something about it. The one without trust is the one with secrets to guard, the one who is afraid the secrets will become known and bring him shame and trouble. At the same time, if his heart is not at peace with God he will be a prey to restless anxiety, intolerant of obedience, and get upset over nothing. Everything seems to go wrong for him, and because he has no love himself he thinks the superiors do not love him."

"But see here, my friend; look how many go to confession and communion here at the Oratory."

"It is true that many go to confession, but what is radically lacking in the confessions of so many youngsters is a firm resolution. They tell their sins but they are always the same, always the same occasions, the same bad habits, the same acts of disobedience, the same neglect of duty, This goes on, month in, month out, even for years and some even continue in this way till they leave school. These confessions are worth little or nothing, and so they do not restore peace, and if a youngster in that state were to be called before God's judgement seat, it would be a serious matter indeed. But in comparison with the whole group in the house they are only a few. Look." And he pointed them out to me.

I looked, and I saw those boys one by one. There were not many, but in them I saw things that brought profound bitterness to my soul. I do not want to put such things in writing, but when I come back I want to have a word with each one about what I saw. For the moment I limit myself to saying that it is time to pray and make firm resolutions, with facts and not just words, so as to show that the Comollos, the Dominic Savios, the Besuccos and the Saccardis are still among us.

I put a final question to my friend: "Have you anything else to tell me?"

"Preach to all, young and old alike, that they must remember they are children of Mary Help of Christians. Tell them she has gathered them here to take them away from the dangers of the world, so that they may love one another as brothers and give glory to God and to her by their good behaviour. Tell them that it is Our Lady who provides them with bread and the means to study, by endless graces and wonders. Remind them that they are at the vigil of the feast of their holy Mother, so that with her help that barrier of mistrust will fall which has been raised between boys and superiors by the devil, who knows how to use it to ruin certain souls."

"And will we be successful in breaking down this barrier?"

"Certainly you will, as long as young and old are ready to put up with some small mortifications for love of Mary and do what I have told you."

Meanwhile I continued to watch my youngsters, but at the sight of those I had seen heading for eternal damnation I experienced such heartache that I awoke. I still have to tell you many important things that I saw, but I have neither time nor opportunity at present.

And now I must finish. Do you know what this poor old man who has spent his whole life for his dear boys wants from you? Nothing else than, due allowances being made, we should go back to the happy days of the Oratory of old: the days of affection and Christian confidence between boys and superiors; the days when we accepted and put up with difficulties for the love of Jesus Christ; the days when hearts were open with a simple candour; days of love and real joy for everyone. I want the consolation and hope that you will promise to do everything I desire for the good of your souls.

You do not realize how lucky you are in having come to the Oratory. I declare before God: it is enough for a young person to enter a Salesian house for Our Lady to take him under her special care. Let us all agree on this then: may the charity of those who command and the charity of those who must obey cause the spirit of St Francis de Sales to reign among us. My dear children, the time is coming when I will have to tear myself away from you and leave for eternity. [Secretary's note: at this point Don Bosco broke off the dictation; his eyes filled with tears, not of sorrow but because of the inexpressible affection that was evident from his face and voice; after a few moments he went on.] And so I want to leave you, my dear priests and brothers and my dearest boys, on the road the Lord himself wants you to follow. For this purpose the Holy Father, whom I saw on Friday 9 May, sends you his blessing from the bottom of his heart.

I will be with you on the feast of Mary Help of Christians, before the statue of our loving Mother. I want this feast to be celebrated with full solemnity, and that Fr Lazzero and Fr Marchisio see to it that you have a good time in the dining-room as well. The feast of Mary Help of Christians should be a prelude to the eternal feast that we will all celebrate one day together in heaven.

With much love, your friend in Christ Jesus.

Father John Bosco

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